Angelerfolg

Der Erfolg beim Angeln -

- wird nun einmal an der Größe und der Anzahl der gefangenen Fische gemessen.

Vielerlei Untersuchungen haben ergeben, daß 90 % aller Fische von nur 10 % der Angler gefangen werden.

Worauf führt man das zurück?

Man kennt die geistreichen Erklärungen, die von erstaunten Zuschauern

oder von den weniger erfolgreichen und gedankenlosen ( mitunter auch neidvoll blickenden )

Mitanglern gegeben werden, wenn der eine Fisch um Fisch herauszieht

und alle anderen nebenan die "Verlierer" sind.


Lachsfluß Mörrum

Die Kommentare gipfeln im Grunde alle in der Feststellung: »Mensch, hat der ein Glück!«

Beispiel:

Wir angelten in der Meeresbrandung und alle 50 m stand ein Angler,

es waren so an die 30 Angler welche an diesem Nachmittag hier ihr Glück versuchten.

Gitti stand auch nur ca. 25 m von mir entfernt.

Niemand holte auch nur einen Fisch an Land.

Aber Gitti hatte Biss auf Biss und einige der anderen "Fischexperten" rückten immer näher heran.

Die Fische bissen aber nur bei der einzigen Frau hier an diesem Tag.

Die Kommentare einiger Spezies: »Mensch, hat die ein Glück!«

Zweifellos sind mitunter Glück oder Zufall im Spiel.

Wenn wir aber bedenken, daß keiner Glück und Zufall pachten kann und schon gar nicht auf Dauer,

und daß es dennoch die regelmäßig Erfolgreichen gibt,

dann sind es andere Dinge, die den Erfolg beim Angeln ausmachen.

Der erfolgreiche Angler weiß, daß er sich nicht auf Unwägbarkeiten verlassen kann,

sondern daß es darauf ankommt, eingehende Kenntnisse über die Welt der Fische,

ihre Lebensgewohnheiten und ihre Umweltbeziehungen zu erlangen und daß es gilt,

dieses Wissen durch Beobachtungen und logisches Denken ständig zu vermehren.

Je weiter man auf diesem Wege vorankommt, um so besser wird man sich in die Fische

hineinversetzen können und um so erfolgversprechender werden die Handlungen.

Zu diesem Zweck ist es erforderlich, sich mit den Fischen, ihren Organen,

insbesondere den Sinnesorganen etwas eingehender zu beschäftigen.

Auf diesen Grundkenntnissen aufbauend muß man sich dann mit den Lebensräumen,

den Fließ- und stehenden Gewässern, vertraut machen.

Dann wird man nach einiger Erfahrung mit Sicherheit schlussfolgern können,

wo sich die Fische aufhalten und durch welche Zeichen sie ihre Anwesenheit verraten.

Dann ist das Hauptproblem beim Angeln gelöst:

Die Kenntnis der Standplätze ist der halbe Weg zum Erfolg.

Denn Fische kann man nur dort fangen, wo sie sich aufhalten.


Wichtig ist es, die Freßgewohnheiten und vor allem die Freßzeiten herauszufinden.

Hierzu sollte man in Erfahrung bringen, welchen Einfluß Temperatur,

Strömungsverhalten- und Jahreszeit sowie Lichtintensität —

um nur die wichtigsten Faktoren zu nennen —haben:

Ein gut angebotener Köder wird in aller Regel nur genommen werden,

wenn die Fische auf Nahrungsaufnahme eingestellt sind.

Dann ist auch zu überlegen, welchen Köder man wählen soll

und wie man diesen auf natürliche Art und Weise anbietet,

so daß der Fisch nicht misstrauisch wird.

Hier ist von entscheidender Bedeutung, das richtige Gerät zu wählen

und eine zweckmäßige Angelmethode zu wählen.


Verhaltensweise

Für die Verhaltensweise der Fische und die Beziehungen zu ihrer Umwelt

ist von grundlegender Bedeutung, daß sie wechselwarme Tiere sind.

Das bedeutet, daß ihre Körpertemperatur von der Umgebung abhängig

und daß ihre ganze Lebensweise mit der jeweiligen Wassertemperatur gekoppelt ist.

Steigt diese, so nehmen Stoffwechselintensität und damit das Nahrungsbedürfnis,

Temperament und Beweglichkeit zu; umgekehrt nehmen diese Funktionen

bei zurückgehenden Temperaturen wieder ab.

Auch auf den Pulsschlag hat die Wassertemperatur entscheidenden Einfluß;

bei sehr kaltem Wasser (+ 1 ° C) kann er auf einen Schlag in der Minute absinken.

Sinkt die Wassertemperatur auf weniger als + 0,5° C ab,

braucht man auf keine Aktivitäten mehr bauen.

Man kann dann sein Angelgerät einpacken und nach Hause gehen.

Steigende Wassertemperaturen bedeuten also zunehmende Freßlust

und größere Chancen dasder angebotene Köder auch angenommen wird.

Der Angler, der die Wassertemperatur kennt und weiß, wie sie sich in den

vorangegangenen Tagen verändert hat, ist also demjenigen überlegen, der hiervon nichts weiß.

Voraussetzung ist allerdings, daß man einThermometer mit sich führt und es auch benutzt!

Es zahlt sich immer aus, vor Angelbeginn die Temperatur zu messen und hieraus

die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.

Von den Sinnesorganen, die dem Fisch vornehmlich helfen sollen,

Gefahren zu vermeiden, interessieren uns besonders das Seitenlinienorgan,

der Gesichts-und der Gehörsinn.

Das Seitenlinienorgan stellt den sogenannten Ferntastsinn der Fische dar und dient dazu,

Wasserströmungen, herannahende Fische, Hindernisse im Wasser,

Erschütterungen am Ufer usw. wahrzunehmen.

Ohne dieses Organ wäre dem Fisch eine Orientierung im Dunkeln nicht möglich.

Die Seitenlinie, von der das Organ seinen Namen hat, ist als dunkle,

manchmal auch als helle Linie entlang der Körperseite sichtbar.


Zum Sehvermögen
ist zu sagen, daß es vorzüglich ausgebildet ist.

Der Fisch kann das Auge, das normal auf die Nähe eingestellt ist, auch der Ferne anpassen.

Neben der Fähigkeit, räumlich sehen und Entfernungen beispielsweise

zu einem eingeworfenen Köder abschätzen zu können,

verfügt er über ein ausgeprägtes Farbunterscheidungsvermögen.

Der Farbbereich selbst ist größer als beim menschlichen Auge;

sogar ultraviolettes Licht, das wir nicht wahrnehmen, kann der Fisch unterscheiden.

Die Nutzanwendung lautet: Wo immer es geht, Deckung gegen Sicht nehmen,

sich tarnen, nicht aufrecht herumstehen und sich so niedrig wie möglich postieren!

Man kann in dieser Hinsicht nicht genug tun. Auch bei trübem Wasser sieht der Fisch gut,

denn das Wasser ist nie so trüb, wie es aussieht.

Gehörsinn

Er ist besonders gut ausgeprägt, obwohl die Fische über keine äußeren Gehörorgane verfügen.

Man trete daher am Wasser nie fest auf, besonders nicht, wenn die Erde gefroren ist.

Wasser leitet den Schall um ein vielfaches besser als die Luft!

Es gibt daher kein wirksameres Mittel, die Fische zu verjagen,

als an der Angelstelle herumzutrampeln.

Wenn man dennoch - beispielsweise an einem kalten Wintertag —

sich die Füße vertreten will, dann bitte nicht am Ufer entlang, sondern landeinwärts.


Nahrungsaufnahme

Neben den vorerwähnten Sinnesorganen verfügen die Fische auch über einen

sehr gut entwickelten Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn.

Damit werden sie in die Lage versetzt, einem weiteren Hauptbedürfnis,

nämlich der Nahrungssuche, zu entsprechen. Wichtigster Faktor für die

Nahrungsaufnahme ist die bereits erwähnte Wassertemperatur; steigt diese,

nimmt dieProduktion des Gewässers an Kleinlebewelt, Insektenlarven usw. zu,

und die Freßlust der Fische wird angeregt.

Überschreitet die Erwärmung eine gewisse Obergrenze, nimmt der Anteil an gelöstem Sauerstoff ab,

und die Fische bekommen Atembeschwerden. Sie werden dann träge und hören auf zu fressen.

Karpfen verhalten sich so etwa von + 22° C an aufwärts, während die Forelle

das Fressen schon viel früher einstellt. An einem heißen Sommertag lohnt

es sich also beispielsweise, an einem See mit Hilfe des Thermometers festzustellen,

ob nicht in einem Gewässerabschnitt, in dem Wind Kühlung gebracht haben kann,

die Wassertemperatur niedriger ist, als im übrigen See. Hier hat man dann bessere Aussichten,

wenngleich auch gegen den Wind geangelt werden muß.

Sinken die Temperaturen, nimmt die Freßlust ab, und es gibt eine gewisse Untergrenze,

bei der die Fische das Fressen völlig einstellen. Kritisch ist die Temperatur

von + 4° C, wenn das Wasser die größte Dichte hat.

Die Temperaturbereiche sind bei den einzelnen Fischarten breit gestreut,

so daß sich dem interessierten Angler hier ein weites Beobachtungsfeld eröffnet.

Döbel haben einen weiten und Karpfen einen engen Bereich,

während die Äsche noch bei kältestem Wasser an den Haken geht.


Diese Regeln gelten allerdings nicht uneingeschränkt. Hochwasser in der kalten Jahreszeit führt dazu,

daß die Fische aus ihren Standplätzen und Winterquartieren herausgedrängt werden,

was für sie Energieverbrauch bedeutet, der wettgemacht werden muß; die Freßlust steigt also.

Hieraus ergibt sich, daß im Fließgewässer die Fische unter gewissen Umständen

noch bei sehr niedrigen Temperaturen beißen, während sie im stehenden

Gewässer die Nahrungsaufnahme schon längst eingestellt haben.

Schleien, Karpfen und Barben habe ich im Verlauf eines Winterhochwassers noch bei

Temperaturen von weniger als + 2° C gefangen!

Einen ebenfalls bedeutsamen Einfluß auf die Nahrungsaufnahme übt das Licht aus.

Sieht man davon ab, daß Fische wie Döbel, Hasel und Rotfeder bei grellster Sonne

noch Nahrung aufnehmen, dann läßt sich allgemein sagen, daß die frühen Morgenstunden

- wenn die Sonne noch nicht sehr hoch gekommen ist - und die späten Abendstunden

- wenn die Schatten bereits sehr lang sind - die besten Beißzeiten sind.

Dabei versprechen die Abendstunden und die ersten Stunden der Dunkelheit meist bessere Erfolge,

als die morgendliche Freßperiode.

Temperatur und Lichteinfluß sind aber nicht die alleinigen ausschlaggebenden Faktoren,

die die Nahrungsaufnahme beeinflussen. Hat man die Standplätze der Fische herausgefunden

( die in der Regel dort sind, wo die Nahrung antreibt oder vorgefunden wird ),

kann es sein, daß die Fische auf Nahrung eingestellt sind, die wir nicht kennen

und die wir ihnen auch nicht an einem Haken anbieten könnten, beispielsweise kleine Flohkrebse.

Wir müssen die Fische dann durch entsprechendes Anfüttern dazu bringen,

sich für unseren Angelköder zu interessieren.

Wie wir das machen, werden wir später erfahren, wenn es um die Angelmethoden

und die Angeltechniken geht.


Nun noch zu der Frage, welche Gewässerschichten von einzelnen Fischen bevorzugt werden.

Hier lassen sich grobe Klassifizierungen vornehmen.

Fische wie Karpfen und Barbe sind vermöge ihres vorstülpbaren bzw. unterständigen

Mauls darauf eingestellt, die Nahrung aus dem Bodenschlamm aufzunehmen.

Bei solchen Fischen ist es nicht schlimm, wenn wir unseren Köder einmal »eingebuddelt« anbieten;

sie finden ihn in der Regel dank ihrer Bartfäden.

Andere Fische wie Rotauge, Blei und Karausche machen sich nicht die Mühe,

ein ganzes Maul voll Schlamm zu schlucken und das Freßbare durch ihre Kiemen auszusortieren;

sie nehmen den Köder meist am oder knapp über dem Boden auf.

Wer das weiß und seinen Köder entsprechend anbietet, wird größere Erfolge

haben als derjenige, der mit der Tiefeneinstellung seiner Angel nachlässig ist.

Fische wie Döbel, Hecht und Forelle jagen praktisch in allen Gewässerschichten,

während Rotfeder und Hasel beim Fressen vorzugsweise an der Oberfläche zu Hause sind.

Abhängig davon, ob wir im fließenden oder stehenden Gewässer angeln,

ist in bezug auf die Nahrungsaufnahme noch folgendes von Bedeutung:

Während im Fluß den Fischen die Futterplätze praktisch vorgegeben sind und sie sich die Nahrung

sozusagen ins Maul treiben lassen, ist das im stehenden Gewässer nicht so.

Dort müssen sie ihre Nahrung suchen. Für das praktische Angeln heißt das,

daß im Fluß die Strömung dem Angler die Arbeit abnimmt und Ihn auch sonst begünstigt:

Da die Fische in der Strömung zwangsweise mit dem Kopf gegen die Strömung stehen,

kann er sie mit Erfolg von abwärts her angehen oder von der Strömung den Köder auf sie zutragen lassen.

Im stehenden Wasser muß der Angler dagegen unter Umständen weit werfen und auch sonst sehen,

wie er mit seinem Köder an die Fische herankommt.


Nun noch eine kritische Bemerkung zu einer verbreiteten Meinung:

Sie stammen von dem Amerikaner J. A. Knight und gehen davon aus, daß Sonne und Mond -

abhängig von ihrer jeweiligen Stellung zur Erde - eine unterschiedliche Anziehungskraft ausüben.

Hierdurch sollen der Wasserdruck verändert und die Freßgewohnheiten der Fische verbindlich bestimmt werden.

In den Gezeitengewässern haben Ebbe und Flut sicher Einfluß auf die Freßgewohnheiten;

im Süßwasser wissen aber die Fische zweifellos von diesen angeblichen Gesetzmäßigkeiten

mit ihren kleinen und großen Beißzeiten nichts:

Sie fressen, wenn sie Hunger haben, wenn Nahrung vorhanden ist und wenn ihnen

die Wassertemperatur zusagt.

Lassen Sie sich also nie vom Angeln abhalten — wie immer auch das Wetter sein mag.

Ein Angeltag, an dem man etwas über die Freßgewohnheiten der Fische gelernt hat,

ist eine Bereicherung, auch wenn man mit leeren Händen nach Hause geht!

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