Anhieb


Man sollte erst einmal die Standplätze der Fische ausmachen.

Zahlreiche Angler bringen sich selbst um ihr Erfolgserlebnis, indem sie unüberlegt vorgehen.

In der fälschlichen Annahme, daß es nur darauf ankomme, die Angel möglichst lang im Wasser zu haben,

wird schon zu Hause alles hübsch fertig gemacht und – am Wasser angekommen -

die Angel eiligst in die erstbeste offene Wasserstelle eingeworfen.

Rührt sich auch nach Stunden noch nichts, verliert man die Geduld, gibt allem möglichen,

nur nicht sich selbst die Schuld, und packt alsbald mißmutig ein.

Ein Tag, der Erfolg, Freude und Erholung bringen sollte,

hat die Erwartungen nicht erfüllt und wird unzufrieden abgeschlossen.

Solche Enttäuschungen sind bei folgerichtigem Vorgehen vermeidbar!

So einfach es auch klingt, so eindringlich muß es gesagt werden:

Fische kann man nur dort fangen, wo welche sind.

Man sollte daher nichts unterlassen, um als erstes und wichtigstes

die Standplätze der Fische auszumachen.

Der zweifellos einfachste aber auch schwierigste Weg hierzu ist,

die Fische durch Sehen wahrzunehmen.

Ständige Übung bringt hier Erfolg, und Polarisationsbrillen helfen,

mit dem Auge besser in das Wasser einzudringen.

Unauffällige Kleidung ist hierbei genauso wichtig wie absolut vorsichtiges Anpirschen.

Können wir die Fische nicht unmittelbar sehen, können sie uns durch ihr Verhalten

bei der Nahrungsaufnahme oder durch ihre Jagdzeichen ihre Anwesenheit verraten.

Karpfen, Schleie und Blei schicken, wenn sie aus dem Boden Nahrung aufnehmen,

Luftblasen nach oben , Barben schlagen oder wälzen sich mitunter an der Oberfläche;

ähnlich verhalten sich Rotauge und Karpfen, besonders früh morgens und spät abends.

Unverkennbar aber sind die Jagdzeichen vom Hecht,

der beim Nehmen der Beute kräftige Wirbel im Wasser verursacht,

während der Döbei von unten her angreift.

Auf der Flucht nach oben spritzen dann die kleinen Fischchen regelrecht aus dem Wasser heraus.

Anders jagt der Barsch: er treibt den Schwarm von Futterfischen

vor sich her und schlägt nach Belieben zu;

und die Forelle nimmt sich meist einen einzelnen Beutefisch aufs Korn und verfolgt ihn.

Neben diesen Hinweisen hilft die richtige Deutung der Wetter- und Wasserverhältnisse,

wobei Temperatur, Sauerstoff und Färbung des Wassers

von ausschlaggebender Bedeutung sein können.

Gute Standplätze sind in der Regel auch dort, wo Nahrung in den Fluß kommt,

oder daß Uferbüsche oder -Bäume vorhanden sind,

von denen Raupen und Kleingetier usw. ins Wasser fallen.

Nicht zu vergessen sind die Unkrautbetten, die mit einer mannigfaltigen Kleinlebewelt

den Tisch decken und tagsüber Sauerstoff spenden.

Daher: Heran an die Unterstände und lieber einmal einen Hänger riskieren!

Schließlich sollte man auch versuchen - vor allem an einem fremden Gewässer ,

von den ortsansässigen Anglern zu erfahren, welche Stellen besonders gut sind.

Es zahlt sich oft aus, auf ihren Rat zu hören.

Das weitere Vorgehen

Nachdem man sich für einen bestimmte Angelplatz entschieden hat, kommt es darauf an,

die Fische nicht durch unzweckmäßiges Verhalten zu vertreiben.

Die vorhandene Uferbewachsung usw. sollte nicht zerstört werden,

sondern als willkommene Deckung genutzt werden.

Wie oft sieht man leider das Gegenteil!

Wichtig auch, daß man nicht unnötig am Ufer hin und läuft und auch sonst alles unterläßt,

was die Fische warnen könnte.

So sollte man bei Dunkelheit nur abgeschirmtes Licht benutzen, so daß kein Lichtschein auf das Wasser fällt.

Ist man in der Wahl der Angelstelle nicht frei und man muss sich auf dem »Präsentierteller« zeigen,

dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, um den angerichteten Schaden zu begrenzen.

Erstens: Wenn die Fische schon verjagt sind, verhalte man sich anschließend an der Angelstelle

so ruhig wie möglich

(ein bequemer Stuhl hilft dabei und ein guter einsteckbarer Schirm gibt viel Deckung!

Zweitens: Man angelt auf Entfernung (allerdings gibt es Grenzbereiche,

bei denen man keinen Schwimm mehr sieht, keinen Biß mehr fühlt

und auch keinen Anschlag mehr durchbringt).

Drittens: Füttern Sie an ! Mit dem Anfüttern kann man vieles wettmachen,

was man vorher verdorben hat. Fische, die kopflos einige hundert Meter stromab davongestoben sind,

kommen nach einiger Wartezeit zurück und beißen an,

wenn wir einiges in das Unternehmen stecken und ständig anfüttern.

Wir können das machen, indem wir mit dem jeweiligen Hakenköder füttern

(also beispielsweise Tauwürmer einwerfen -oder zusammengedrückte Brotflocken).

Das Anfüttern mit dem Hakenköder hat auch noch den Vorteil,

daß in den Fällen, in denen wir nicht wissen, auf welche Nahrung die Fische eingestellt sind,

wir sie dazu bringen können, unseren Köder zu nehmen.

Voraussetzung hierbei ist allerdings, daß das Anfüttern nachhaltig genug betrieben wird.

Neben der Wahl des Köders ist von besonderer Bedeutung -

abhängig von den vorhandenen Wasserverhältnissen und den Besonderheiten der Fischart,

auf die man aus ist , die richtige Angelmethode zu wählen,

das Gerät entsprechend zu montieren und den Köder

auf möglichst natürliche Art und Weise anzubieten.

Mit anderen Worten: Der dem Fisch zusagende Köder sollte so serviert werden,

wie er ihn normalerweise erwartet und aufnimmt.

Sind die Forellen beispielsweise mit Nymphen auf dem Gewässerboden beschäftigt,

hat es keinen Sinn, sie mit der Trockenfliege anzugehen.

Karpfen, die im Bodenschlamm herumwühlen, wird man keine Kruste an der Oberfläche anbieten.

Und es hat auch keinen Sinn, Barben, die die Steine am Gewässerboden

in der reißenden Strömung abweiden, mit der Treibangel fangen zu wollen,

indem man einen Wurm oder ähnliches viel zu hoch über ihre

Köpfe im D-Zug-Tempo hinwegtreiben läßt.

Das Anfüttern mit dem Hakenköder hat auch noch den Vorteil,

daß in den Fällen, in denen wir nicht wissen, auf welche Nahrung die Fische eingestellt sind,

wir sie dazu bringen können, unseren Köder zu nehmen.

Voraussetzung hierbei ist allerdings, daß das Anfüttern nachhaltig genug betrieben wird.

Wählen Sie das Gerät so einfach wie möglich. Wenn Rute, Rolle,

Schnur und (ein unmittelbar angebundener) Haken ausreichen,

sollte man auf Beschwerung, Schwimmer und alles sonst Entbehrliche verzichten;

denn es gilt nach wie vor: »Je mehr Teile an der Angel, desto mehr Nachteile!«

Und es ist erstaunlich, wie weit man einen Teigbrocken von Walnussgröße

oder einen dicken Tauwurm an Hochleistungsschnur ohne alles werfen kann.

Probieren Sie es einmal aus !

Biß und Anhieb

Für den Anfänger wie auch den erfahrenen Angler tritt immer wieder die Frage auf,

wann er anschlagen soll, welche Bisse er vernachlässigen darf und welche nicht.

Um es gleich vorweg zu sagen:

Es gibt keine verbindlichen Rezepte. »Schlage an, sobald der Schwimmer untergeht!«

ist genauso fragwürdig, wie das andere Extrem: »Zeit, viel Zeit lassen.«

Beim Hechtangeln werden wir zum Beispiel, egal, ob wir sofort anschlagen,

oder die berühmte »Zigarettenlänge« warten - genauso oft Fehlbisse haben

wie zu tief geschluckte Köderfische.

Die Schwierigkeiten liegen darin, daß wir nie wissen,

wie die Fische aufgelegt sind, was und wieviel sie vorher gefressen haben,

ob wir sie mit unserer Anfütterung übersättigt haben usw.

Die Empfehlung, daß hier nur jahrelange Erfahrung hilft, ist zweifellos die Richtige.

Man kann jedoch den Lernprozeß abkürzen,

wenn man sowohl gesunden Menschenverstand walten läßt,

wie auch sich größter Konzentration in den entscheidenden Phasen des Beißvorgangs befleißigt.

Mit gesundem Menschenverstand ist gemeint, daß man alles,

was man an Bißäußerung sieht, fühlt, oder sonstwie wahrnimmt,

richtig wertet und in die entsprechenden Aktivitäten des Fisches übersetzt mit dem Ziel,

zu erkennen, wann der Fisch den Köder im Maul hat, daß angeschlagen werden kann.

Je mehr man sich in dieser Richtung bemüht, um so sicherer wird man in seinem Urteil werden.

Eine Hilfe möge die nachstehende Aufzählung geben.

Die Rute ist zu kurz - der Anschlag kommt nicht durch.

Die Schnur hängt durch - der Anschlag kommt ebenfalls nicht durch.

Die Schnur dehnt sich zu stark - Folgen wie vor-erwähnt.

Die Zeitverzögerung beim Setzen des Anschlags ist zu groß -

der Fisch spuckt den Köder aus. Große Rotaugen sind hierin am schnellsten.

Die Sekunden unmittelbar nach dem Anschlag werden falsch genutzt,

indem Schnur nachgelassen wird - der Fisch kann den Haken,

der in vielen Fällen noch gar nicht richtig eingedrungen ist, wieder loswerden.

Die Bißanzeige ist nicht optimal - ein schlechter Schwimmer,

ein zu schweres Blei bei der Bodenblei-Angel, ein zu dicker und unzweckmäßig

geformter Korken an der Hechtangel usw. warnen den Fisch.

Er bricht den Beißvorgang ab (in vielen Fällen,

ohne daß wir überhaupt etwas gemerkt haben).

Der Haken ist nicht frei — er wird samt dem Köder aus dem Fischmaul herausgezogen,

ohne daß die geringste Möglichkeit des Eintreibens besteht.

Der Haken ist zu klein - eher auf größere Haken gehen, als auf kleinere.

Der Haken ist nicht scharf (Todsünde Nr. 1 des Anglers) -

der Haken kann in das knochige und lederartige Fischmaul nicht eindringen.

Auf weite Entfernung wird nicht genügend fest an-geschlagen -

die Schnur schluckt den Anschlag, er kommt nicht durch,

vermeintlich gehakte Fische kommen sofort ab,

weil der ( meist zu stumpfe ) Haken nicht eindringen konnte.

Der Widerhaken ist zu stark aufgebogen – er behindert das Eindringen des Hakens.

Der Köder ist zu groß und ( beispielsweise bei Teig ) zu hart –

er wird vom Fisch entweder nur zwischen die Lippen gepackt oder ausgespuckt.

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