Drill und Landung
Der Drill ist die entscheidende Phase des Fangvorganges,
in der sich der Angler vom Geschick und von der Kraftanwendung her mit dem Fisch mißt.
Die Absicht besteht darin, den Fisch so zu ermüden,
daß er ohne Schwierigkeiten über das Landungsnetz geführt werden kann.
Während es keine Seltenheit ist, daß Zehnpfünder an einer 1 kg-Schnur gefangen werden,
kommt es viel öfter vor, daß Dreipfünder an Schnüren
mit mehr als 5 kg Tragkraft abgerissen werden.
Jeder ist in der Lage, anglerische Glanzleistungen zu vollbringen und den Fisch seines Lebens zu landen,
wenn er sich rechtzeitig mit der Drilltechnik und den gerätetechnischen Voraussetzungen befaßt.
Auszugehen ist davon, daß der Fisch - gleich, ob es sich um einen Zehn- oder Dreipfünder handelt -
im Wasser schwerelos ist, also praktisch nichts wiegt.
Der Widerstand, den er uns entgegensetzt, ergibt sich aus seiner Schwimmkraft
(seiner Fortbewegung) und dem Wasserwiderstand, der in der Strömung besonders groß ist.
Dabei kann es durchaus vorkommen, daß der Kleinere
(weil er kräftiger ist) uns mehr zu schaffen macht, als der Große.
Ihr unterschiedliches Gewicht kommt erst dann »auf die Waage«, wenn wir uns anschicken,
den Fisch aus dem Wasser zu heben: Hier zählt Gramm für Gramm.
Daraus ergibt sich, daß wenn Rute oder Schnur nicht brechen sollen Fische,
deren Gewicht das der Testkurve der Rute überschreitet, nicht aus dem Wasser herausgehoben,
sondern gekeschert werden müssen.
Doch zurück zu der von dem davonstürmenden Fisch verursachten Krafteinwirkung:
Einem Schnurbruch vorbeugend ist die Rute so weit hoch- und zurückzuführen,
daß der Fisch ein Stück herangepumpt (-gezogen) wird.
Danach wird die Rute schnell gesenkt und die gewonnene Schnur eingerollt.
Beim Senken der Rute und Einholen der Schnur muß ständiger Kontakt
mit dem Fisch vorhanden sein, also Spannung auf der Schnur liegen.
Dieser Vorgang wird so lange wiederholt bis der Fisch ermüdet ist
und über den
Unterfangkescher geführt werden kann.
Abhängig von der Kampfkraft des Fisches wird es beim Drill
zu mehr oder weniger großen Fluchten kommen.
Ein starker Karpfen kann bei seiner ersten Flucht beispielsweise 30
oder mehr Meter Schnur von der Rolle reißen.
Da es völlig unmöglich wäre, einen solchen starken Fisch auf engem Raum abzudrillen,
ist das beste was man tun kann, ihn laufen zu lassen,
und die Bremsung so stark anzusetzen, wie es das Gerät verträgt.
Bei langen Fluchten verausgabt sich ein Fisch eher,
und durch ständig angewandte Bremsung können wir ihn sich regelrecht abarbeiten lassen.
Kritische Situationen können sich ergeben, wenn der Fisch auf
ein Hindernis
(einen im Wasser liegenden Baum oder ähnliches) losstürmt.
Hier gilt es, ihn unter allen Umständen abzubremsen nd nicht in das Hindernis hineinlaufen zu lassen.
Einen Fisch, der 40 oder mehr Stundenkilometer entwickelt,
werden wir kaum stoppen, aber wir werden ihn von seiner Laufrichtung ablenken können.
Zu diesem Zweck heben wir die Rute nicht hoch, sondern führen sie so weit seitwärts,
daß sie möglichst einen rechten Winkel mit der Schnur bildet.
Mit dem von der Seite her angesetzten Gegenzug wird es uns in den meisten Fällen gelingen,
den Fisch abzudrehen.
Gelingt dies dennoch nicht, belaste ich lieber das Gerät auf Biegen oder Brechen,
anstatt den Fisch auf Nimmerwiedersehen in das Hindernis hineinlaufen zulassen.
Was man seinem Gerät beim Drill zutrauen kann, ist
Erfahrungssache,
und im Laufe der Zeit gewinnt man ein sicheres Gefühl dafür, was geht und was nicht.
Der Anfänger ist gut beraten, wenn er an Fischen, die man gerade noch herausheben könnte
(1 bis 1'/2 Pfund), sich die notwendige Praxis erwirbt und sie als Fortbildungsobjekte benutzt.
Erfahrungen mit den gelegentlich an den Haken gehenden größeren Exemplaren
festigen dann das Selbstvertrauen und geben einem die Ruhe und Überlegenheit,
die man für einen erfolgreichen Drill braucht.
Die Landung stellt den Abschluß des Drills dar, und man kann erst dann beruhigt aufatmen,
wenn man den Fisch sicher im Unterfangkescher hat.
Bedenkliche Situationen können eintreten, wenn der während des Drills
stark mit sich selbst befaßte Fisch in dem Augenblick,
in dem er über den Unterfangkescher geführt werden soll,
den Angler wahrnimmt und erschreckt mit harten Stößen abtaucht.
Solchen Situationen wird man nur Herr, wenn die Rücklaufsperre nicht eingelegt
und die Bremse richtig eingestellt ist, man also Schnur nachgeben kann.
Ähnlich gefährlich kann es zugehen, wenn ein Fisch aus einem Unkrautbett,
in dem er sich festgesetzt hatte, gelöst worden ist und samt Verpackung am Ufer ankommt.
Hier ist Vorsicht geboten, und es ist besser, den Fisch, der ja in keiner Weise abgekämpft ist,
nicht im Uferwasser aus seiner Umhüllung zu befreien, sondern ihn mit allem herauszuschöpfen.
Das man hierfür (wie überhaupt beim Angeln) einen genügend großen Unterfangkescher benötigt,
versteht sich von selbst.