Fliegenfischen
Die Technik des Fliegenfischens - mitunter auch »Flugangeln« genannt - zielt darauf ab,
den Fisch dadurch zu erbeuten, daß Ihm mit einer als Wurfgewicht dienenden Fliegenschnur
ein künstlicher Köder angeboten wird.
Als Köder dienen in der Regel Nachbildungen von Insekten,
die ihre Entwicklung ganz oder teilweise in- und außerhalb des Wassers durchmachen.
Daneben finden Nachbildungen von anderen Wasserbewohnern Verwendung.
Sehr große Bedeutung haben auch die Phantasieköder, die meist Beutefischchen imitieren sollen.
Mit der Kunstfliege zu angeln, galt jahrzehntelang als das Privileg einer bevorrechtigten Klasse,
und für die breite Masse der Angler war es ein Buch mit sieben Siegeln.
Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Fanatiker der Jahrhundertwende,
die das Fischen mit der Trockenfliege zu einem Dogma erhoben
und nichts sonst daneben gelten ließen.

Noch heute tun wir uns schwer, diese Vorurteile abzubauen:
Fliegenfischen ist für jedermann erschwinglichund leicht zu erlernen.
Und nicht nur Salmoniden, sondern auch die meisten anderen Fischarten gleich,
ob es sich um Hecht, Döbel, Rotauge oder um die Makrele im Salzwasser handelt -
können mit der Flugangel erbeutet werden.
Wenn auch das Fliegenfischen nur eine Fangmethode von vielen ist,
so ist sie doch ungleich wirksamer und unauffälliger:
und hinzu kommt, daß man sich mit verhältnismäßig wenig Gerät begnügen kann.
An Grundausstattung für das Fliegenfischen wird benötigt:
Rute, Rolle, Schnur, Vorfach und Fliegen.
Zweckmäßig ist des weiteren folgendes Gerät:
Wathose oder -stiefel, Polarisationsbrille, Watkescher, Fischkorb oder Lagel,
Fliegendose, Anglerschere, Schleifstein, Fliegenfett oder Spray,
eine oder zwei Sicherheitsnadeln zum Lösen von Knoten im Vorfach
und ein Stück Hirschleder zum Trocknen der Fliege.
Der Perfektionist ist dann »in«, wenn er (in einem kleinen Döschen)
einen mit Spülmittel getränkten Wattebausch für das Entfetten des Vorfachs und einen Markspatel
für eine Untersuchung des Mageninhaltes der Forelle bei sich hat.
Die Fliegenruten sind von ihrer Konstruktion her vornehmlich auf die Aufgabe zugeschnitten,
das Wurfgewicht, nämlich die Schnur, zu werfen.
Je nachdem, welche Bereiche der Rute beim Werfen angesprochen werden,
sprechen wir von Spitzen- oder progressiver Aktion.
Daneben kennen wir noch Parabolik- und Telebolik-Aktion .
Soweit hier Verallgemeinerungen möglich sind,
kann gesagt werden, daß die Spitzenaktion zielsicherere und weitere Würfe ermöglicht.
Für den Anfänger ist die Frage, welche Rute er wählen soll, von besonderer Bedeutung,
weil er einmal einen großen Anwendungsbereich abdecken will,
zum anderen er sich aber auch gleichzeitig mit der Wahl der Schnur
( dem Wurfgewicht ) festlegen muß.
Sofern sich eine Allround-Rute (selbstverständlich mit allen Vorbehalten) empfehlen läßt,
würde ich eine Hohlglasrute mit Spitzenaktion wählen, die auf eine Schnur Nr. 6 zugeschnitten ist.
Während wir beim Fliegenfischen in der Regel mit einfachen Fliegenrollen auskommen,
gibt es auch noch die bereits erwähnten automatischen Rollen.
Diese haben den Vorteil, daß das Aufnehmen (Einrollen) der Schnur automatisch
durch eine Feder bewirkt wird, die sich beim Ausgeben der Schnur gespannt hat.
Wichtig ist, daß man sich beim Kauf einer Rolle gleich eine Anzahl von Ersatzspulen zulegt,
damit man Schnüre verschiedener Stärke und von unterschiedlicher Eigenschaft verwenden kann.
Beim Angeln an Stauseen kommt es darauf an, nicht nur viel Nachschnur (Schußschnur)
zur Verfügung zu haben, sondern auch möglichst schnell die Schnur einholen zu können,
um beim Drill nicht den Kontakt mit dem Fisch zu verlieren.
Diesem Bedürfnis entsprechend gibt es seit einigen Jahren Rollen
mit einer 1'/2- bis 2fachen Übersetzung; äußerlich gleichen sie den einfachen Fliegenrollen.
Wer an der Erlernung des Fliegenwerfens interessiert ist,
sei auf die vielfältigen Ausbildungs- und Schulungsmöglichkeiten,
die heute angeboten werden, verwiesen, oder er möge das Angenehme
mit dem Nützlichen verbinden und einen Angelurlaub diesem Ziel widmen.
Wir können Ihnen bei Bedarf weiterhelfen.
Nun zum Fliegenfischen selbst.
Wir fischen entweder mit der Nassfliege oder mit der Trockenfliege, womit gesagt sein soll,
daß wir den Köder entweder »versunken« oder auf der Oberfläche anbieten.
Die allgemein verbreitete Ansicht, daß die Forelle sich im wesentlichen
von Fliegen auf der Oberfläche (sogenannten »Trockenfliegen«) ernähre, trifft nicht zu.
Magenuntersuchungen beweisen, daß sie sich zu mehr als 90 %.
von noch nicht voll entwickelten Insekten (Nymphen, Larven, Puppen ) ernährt;
wäre sie allein auf die Schlüpfperioden angewiesen, müßte sie sicher verhungern.
Während beim Trockenfischen auf die steigende Forelle geworfen wird,
sucht der Naßfischer mit seiner versunkenen und je nach Wasserverhältnissen
unter Umständen tief geführten Fliege (Nymphe) das Gewässer ab.
Im Fließgewässer wird quer zur Strömung oder auch stromauf geworfen,
und die Fliege befindet sich oft nur Sekunden im Wasser.
Da der Fisch in der starken Strömung nicht sehr wählerisch sein kann,
sind die Bisse meist entschiedener.
Eine gute Watausrüstung kann helfen, das Wasser intensiv abzufischen.
Im stehenden Gewässer sind, abhängig von der Temperatur und der Höhenlage des Gewässers,
die Schlüpfperioden kurz bemessen.
Sehr oft können wir beobachten, daß die Fische knapp unter der Wasseroberfläche
ihren Kopfstand machen und Nymphen nehmen
oder am Gewässerboden auf
Nahrungssuche gehen.